Donnerstag, 12. Januar 2012

Rezension: Anna Kuschnarowa - Junkgirl

Titel: Junkgirl
Autorin: Anna Kuschnarowa
Genre: Kinder-/Jugendbuch (ab 14 Jahren)
Verlag: Gulliver (12.09.2011)
ISBN: 978-3-407-74259-9
Klappenbroschur, 224 Seiten
Preis: 12,95 €
Bezugsquelle: Gulliver
Leseprobe

Alles begann mit Tara. Der wilden, huskyblauäugigen, verlockenden Tara, in die sich die unscheinbare Alissa Hals über Kopf verliebt. Um mit Tara zusammen zu sein, beginnt Alissa heimlich ein Doppelleben, irrlichtert zwischen Sein und Schein, belügt ihre Eltern und - nimmt Drogen. Sie erlebt ungeahnte Höhenflüge, ist verzaubert, berauscht, fühlt sich unsterblich. Es scheint, als sei Alissas Sehnsucht endlich gestillt. Da zeigen sich tiefe Risse in Taras schillernder Welt...
Zur Autorin:
Anna Kuschnarowa, geboren 1975 in Würzburg, studierte Ägyptologie, Prähistorische Archäologie und Germanistik in Leipzig, Halle/Saale und Bremen. Sie unterrichtet Mittelägyptisch an der Universität Leipzig, seilt sich aber regelmäßig aus dem Elfenbeinturm ab und arbeitet dann als freiberufliche Autorin und Fotografin. Bei Beltz & Gelberg erschienen von ihr bereits die Romane Spielverderber und Schattensommer.

Rezension:
Die 15-jährige Alissa ist jüngstes Kind einer sehr frommen Familie. Die Eltern sind mit Leib und Seele Mitglieder einer Freikirche und leben nach strengen Reglements, denen sich auch Alissa unterwerfen muss. Diese fühlt sich schon lange als das schwarze Schaf dieser ach so Heile-Welt-Familie und immer mehr stört sie, dass sie nichts frei entscheiden darf, sondern alles, sogar die Auswahl an Kleidung, vorgeschrieben bekommt.

Dann lernt sie Tara kennen, zwei Jahre älter als sie, neu an der Schule und das genaue Gegenteil von Alissa: Tara trägt provozierend kurze Klamotten, ist gepierct und geschminkt, ein Gothic-Girl wie es im Buche steht. Alissa ist vom ersten Augenblick an fasziniert von diesem geheimnisvollen Mädchen und das beruht auch bei Tara auf Gegenseitigkeit. Aus ihnen wird ein Paar, doch etwas wird immer zwischen ihnen stehen: die Drogen. Bald schon rutschen beide immer tiefer hinab in die Drogenhölle mit allem was dazugehört, und das kann einfach nicht gut enden...

In jüngeren Jahren habe ich einige Literatur über Drogen(geschichten) gelesen, am häufigsten wohl das berühmteste Werk seiner Art, "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und auch den gleichnamigen Film habe ich mehrere Male gesehen. Mag dieses Buch heutzutage etwas angestaubt erscheinen, da es bereits Anfang der 1980er Jahre erschien, kann man "Junkgirl" doch durchaus damit vergleichen.

Alissa, die sich später als Drogenbraut Alice nennt, und Tara erinnerten mich stark an das Paar Christiane und Detlef. Anfangs durch ihre Liebe vereint, stehen die Drogen später deutlich im Vordergrund und auch zwischen ihnen. Alissa rutscht durch Tara immer mehr ab, denn sie möchte wie ihre Freundin auf dem gleichen Level sein, was den Rausch anbelangt.

Der Leser erlebt am eigenen Leib die Verwandlung von Alissa zu Alice mit. In bildhafter Sprache beschreibt Anna Kuschnarowa den Abstieg dieses Mädchens, erzählt von einem noch nie dagewesenen Rausch, den die Drogen mit sich bringen bis hin zum schrecklichen "Cold Turkey" - dem Kalten Entzug, den Alissa und Tara mehrere Male machen, um die Sucht hinter sich zu lassen.

Ob Alissa ihre Sucht jedoch für immer beenden kann und wird, wird am Ende offengelassen. In ihrem Kopf spukt ab und zu noch die Stimme von Alice herum, ihrer dunklen Seite, die sich anhand von fettgedruckten Passagen häufiger in die Geschichte miteinbringt. "Junkgirl" beschönigt nichts, denn die Wortwahl von Anna Kuschnarowa ist in kurzen knappen Sätzen drastisch, ohne etwas ausschmücken zu wollen. Ich kann den Roman für interessierte Leser nur weiterempfehlen und raten, auch weiterführend "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" zu lesen. Auch wenn dieses Buch schon etwas "antiquiert" erscheinen mag, ist es doch der Grundstein dieser Art von Literatur und weiß immer noch zu erschüttern.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover ist sehr psychedelisch angehaucht, Muster in verschiedenen bunten Farben machen auf das Grundthema aufmerksam.

Fazit: "Junkgirl" bietet eine moderne Erzählung des "Christiane F."-Stoffes - und schockiert und erschüttert genauso wie sein (etwas in die Jahre gekommener) Vorgänger.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Rezension: Elena Melodia - Nacht

Titel: Nacht
Autorin: Elena Melodia
Reihe: Das Land der verlorenen Seelen # 1
Genre: Jugendbuch (ab 14 Jahren)
Verlag: PAN (04.10.2011)
ISBN: 978-3-426-28333-2
Gebunden, 448 Seiten
Preis: 16,99 €
Bezugsquelle: PAN
Leseprobe

Eigentlich lebt Alma das perfekte Teenager-Leben: Sie führt mit ihrer kleinen Clique das Leben auf dem Schulhof an, und auch ihr neuer Mitschüler Morgan, der sie mit seinen seltsamen violetten Augen verzaubert, scheint fasziniert von ihr. Doch Alma hat ein Geheimnis: Nacht für Nacht sieht sie in ihren Alpträumen bestialische Morde. Als sie herausfindet, dass diese tatsächlich geschehen, wendet sie sich als Allererstes an Morgan. Die beiden kommen einem Geheimnis auf die Spur, in dessen Zentrum Alma selbst steht und über das sie Morgan zu verlieren droht...
Zur Autorin:
Elena Melodia wurde in Verona geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann lebt. Sie arbeitete zunächst als Jugendbuchredakteurin in einem großen Verlag, bevor sie selbst unter die Schriftsteller ging. "Nacht" ist ihr erster Roman und der Auftakt zur erfolgreichsten italienischen Urban-Fantasy-Saga der letzten Jahre.

Rezension:
Die 17-jährige Alma ist die Anführerin einer kleinen Clique, die aus ihr, Seline, Naomi und Agatha besteht. Jedes Mädchen hat mit nicht zu verachtenden Problemen zu kämpfen, auf die ich aber nicht näher eingehen möchte. Alma selbst hatte vor einiger Zeit einen schweren Autounfall. Seitdem leidet sie unter starken Kopfschmerzen, Alpträumen und jede Berührung einer anderen Person tut ihr weh. Nur bei Morgan, einem mysteriös erscheinenden Mitschüler, ist das anders.

Als mehrere Morde passieren, die Alma in ihren nächtlichen Alpträumen vorhersieht und diese auch in einer Art Trance in einem violetten Tagebuch niederschreibt, versucht sie erst allein, dann mithilfe von Morgan herauszufinden, wer dahintersteckt. Aber nicht nur das: Auch mit ihrer Freundin Agatha scheint einiges nicht zu stimmen, was es herauszufinden gilt...

Alma ist ein Charakter, für den man automatisch eine sehr starke Antipathie entwickelt: Sie ist eiskalt, herzlos und sehr arrogant ihrer Umwelt gegenüber. Doch muss man Elena Melodia zugute halten, dass ihre Charaktere, besonders Alma, sprachlich und in ihrer Handlungsweise authentisch und glaubwürdig erscheinen.

Jede Menge einzelner Handlungsstränge verwirrten anfangs, denn sind im einen Moment noch Alma und ihre mysteriösen Alpträume im Zentrum des Geschehens, wird im nächsten Strang bereits von ihren Freundinnen berichtet, die eigene Probleme mit sich schleppen, die aber rein gar nichts mit dem Grundthema der Geschichte zu tun haben und somit vom eigentlichen Kern ablenken.

Und gerade das wirkt sich meiner Meinung nach negativ auf den Roman aus: Der Klappentext macht sehr neugierig auf das Buch, denn das Grundthema ist unzweifelhaft interessant, Morde durch Alpträume und Tagebuchaufzeichnungen vorherzusehen. Doch leider wird diesem Thema zu wenig Zeit gewidmet und die Autorin schweift zu sehr in nicht unbedingt interessante Nebensächlichkeiten ab. Daher wird auch nach dem Ende des Buches nicht klar, warum Alma diese Visionen hat und was dahintersteckt.

Die Krone setzt dann zusätzlich noch der sehr starke Cliffhanger am Ende des Buches auf, über den ich nicht wirklich erfreut war, da ich anfangs nicht wusste, dass es sich hierbei um den Auftakt eines Mehrteilers handelt. Ich kann nur hoffen, dass sich Elena Melodia mit dem zweiten Band, der im Mai 2012 unter dem Titel "Schatten" erscheinen wird, für eine striktere Richtung entschieden hat, denn wie gesagt, das Grundthema hat durchaus Potenzial und ich werde diese Reihe auch definitiv weiter im Auge behalten!

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover ist schlicht, aber durchaus durchdacht gewählt: Ganz in schwarzem Hintergrund gehalten, sieht man am oberen Ende ein angedeutetes Mädchengesicht, in dem sich Wasser zu spiegeln scheint. Der in dunkelblau gehaltene Buchtitel wurde in Spotlackoptik hervorgehoben.

Fazit: "Nacht" hat durchaus Potenzial und ich hoffe, dass der zweite Band "Schatten" sich um einiges steigern wird und Elena Melodia sich nicht wieder zu sehr in unrelevanten Nebensächlichkeiten verliert.

Dienstag, 10. Januar 2012

Rezension: Sarah Pinborough - Die Farben der Finsternis

Titel: Die Farben der Finsternis
Autorin: Sarah Pinborough
Reihe: The Dog-Faced Gods # 2
Genre: Krimi/Thriller (Mystery)
Verlag: Otherworld (September 2011)
ISBN: 978-3-8000-9546-9
Klappenbroschur, 496 Seiten
Preis: 16,95 €
eBook: ePub für 14,99 €
Bezugsquelle: Otherworld
andere Titel dieser Reihe: Die Bürde des Blutes

Cass Jones hat wieder alle Hände voll zu tun: Eine Selbstmordwelle unter Studenten gibt der Polizei Rätsel auf. Die Toten hinterlassen nur einen einzigen Satz: Chaos im Dunkel ein Satz, den sich niemand in ihrem Umfeld erklären kann. Cass erkennt bald eine Verbindung zum schattenhaften Netzwerk um den geheimnisvollen Castor Bright. Doch es zeigt Zerfallserscheinungen: unterschiedliche Parteien haben sich gebildet, die sich feindlich gegenüberstehen. Als Terroranschläge London erschüttern ist klar: Die Welt gerät langsam aber sicher aus den Fugen und ist zum Schlachtfeld unberechenbarer Mächte geworden. Und Cass spielt in deren undurchsichtigen Plänen offenbar eine immer wichtigere Rolle...
Zur Autorin:
Sarah Pinborough wurde 1972 in Buckinghamshire geboren und lebt heute nur ein paar Meilen von ihrem Geburtsort entfernt, nachdem sie in ihrer Kindheit die Welt bereist hat (ihr Vater war Diplomat). Mit acht Jahren packte sie ihren Koffer und verließ den Mittleren Osten, um dann zehn Jahre in einem Internat zu verbringen. Die Erinnerungen an diese Zeit geben ihr viel Material für ihre Mysterythriller und Horrorgeschichten.

Rezension:
Cass Jones ist wieder zurück und hat immer noch an dem Tod seines Bruders Christian zu knabbern, vor allem seit er weiß, dass sein Neffe nicht, wie er meinte, auch tot ist, sondern entführt und auch zu allem Überfluss noch bei der Geburt wissentlich von Der Bank vertauscht wurde. Doch hat er auch noch andere Sorgen: In mehreren Großstädten auf der Welt werden verheerende Bombenattentate durchgeführt und in diesem Szenario muss sich Cass einer vermeintlichen Selbstmordserie von Studenten widmen, die alle den geheimnisvollen Satz "Chaos im Dunkeln" hinterlassen.

Auch wird Cass wiederum in die Machenschaften Der Bank hineingezogen, deren Kopf Castor Bright mit eigenen Problemen zu kämpfen hat. Einige hohe Mitarbeiter sind schwer krank, spalten sich vom Netzwerk ab und wenden sich gegen Castor Bright. Cass lässt sich auf einen folgenschweren Handel mit Castor ein, um herauszufinden, wo sein Neffe ist. Doch diese Information lässt sich Castor nicht für umsonst entlocken...

Sarah Pinborough entführt den Leser im zweiten Band ihrer Reihe um Cass Jones wiederum in eine arg zerrüttete Welt. Diesmal legt sie das Augenmerk vor allem auf das mysteriöse Netzwerk um Die Bank und gewährt zahlreiche Einblicke in die Schaltzentrale dieses mächtigen Geheimkonzerns. Neue Charaktere, die neben Castor Bright eine höhere Stellung im Netzwerk innehaben, werden vorgestellt, doch bleibt immer noch Einiges im Dunkeln, sodass die Spannung nicht verlorengeht.

Ich kann nur empfehlen, unbedingt den ersten Band "Die Bürde des Blutes" zu lesen, bevor man sich dem vorliegenden Band widmet, da sonst schwer in die Handlung hineinzukommen ist. Es gibt zwar wiederholt eingestreute Rückblicke, doch reichen diese nicht aus, um die gesamten Zusammenhänge zu verstehen. Gut gefallen haben mir zwei neue Charaktere: Einmal Cass' neuer Assistent Toby Armstrong, der sehr neugierig ist und Cass bei der Ermittlung um die toten Studenten in allem unterstützt und besonders der geheimnisvolle obdachlose Geigenspieler, der immer wieder in Cass' Umfeld auftaucht und ihn mit mysteriösen Botschaften schier zur Weißglut bringt.

Ich kann "Die Farben der Finsternis" oder besser gesagt, beide bisher erschienenen Bände, nur weiterempfehlen. Fans eines Mixes aus Thriller und einer guten Portion Mystery, die sich nicht davor scheuen, zahlreiche Puzzlestücke zu einem Großen und Ganzen zusammenzusetzen, werden hier voll auf ihre Kosten kommen, denn Mitdenken ist hier auch gefragt. Der dritte und abschließende Band um Cass Jones ist bereits in Planung und ich bin sehr gespannt, wie die Autorin die Geschichte und einzelnen Handlungsstränge enden lassen wird.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover reiht sich nahtlos zu seinem Vorgänger ein, es wurde z.B. die gleiche Hintergrundtextur benutzt. Auch die Schriftart des Buchtitels ist die Gleiche, diesmal aber in Schwarz statt Rot. Statt der Fliegen zieren zwei Rasierklingen und mehrere blutrote Schnitte das Cover.

Fazit: Sarah Pinborough ist mit "Die Farben der Finsternis" eine gelungene Fortsetzung von "Die Bürde des Blutes" geglückt, die spannend bis zur letzten Seite bleibt und die Neugier auf den abschließenden Band und die komplette Auflösung der mysteriösen Geheimnisse um Castor Bright und Cass Jones noch größer macht.

Montag, 9. Januar 2012

Rezension: Franz Kabelka - Jemand anders

Titel: Jemand anders
Autor: Franz Kabelka
Genre: Krimi
Verlag: Haymon (08.09.2011)
ISBN: 978-3-85218-694-8
Gebunden, 232 Seiten
Preis: 19,90 €
Bezugsquelle: Haymon

Edgar, ehemaliger Franziskanerpater und nunmehriger Fitnesscenterbetreiber, hat innerhalb kurzer Zeit gleich zwei tödliche Unfälle in seinem Studio zu beklagen. Die noch dazu in jenen drei Wochen passierten, an die er sich nach einem Schädel-Hirn-Trauma nicht mehr erinnern kann. Erst allmählich beginnt er zu ahnen, dass des Rätsels Lösung an seiner früheren Wirkungsstätte, dem Konvikt Rosenkranz, zu suchen ist.
Zum Autor:
Franz Kabelka, geboren 1954 in Linz, lebt und arbeitet in Feldkirch. Er studierte Germanistik und Anglistik in Salzburg und veröffentlicht seit 1975 Lyrik, Kurzprosa, Essays sowie Theaterstücke in Literaturzeitschriften, Zeitungen und Anthologien. Bei Haymon erschien die Tone-Hagen-Trilogie: Heimkehr. Kriminalroman (2004), Letzte Herberge. Kriminalroman (2006), Dünne Haut. Kriminalroman (2008).

Rezension:
Edgar betreibt seit seiner Abkehr als Franziskanerpater ein Fitnessstudio, in dem binnen weniger Wochen zwei seiner Klienten zu Tode kommen. Doch ausgerechnet in dieser Zeit erleidet Edgar ein Schädel-Hirn-Trauma, das er sich aufgrund eines Unfalls bei einem Waldspaziergang zuzieht, und somit kann er sich an die Hergänge im Studio nicht mehr erinnern. Nur eines ist ihm klar: Die Unfälle müssen irgendetwas mit seiner Vergangenheit zu tun haben.

Edgar war seinerzeit Franziskanerpater im Konvikt Rosenkranz und nannte sich Pater Fidelis. Zwar hat er mit dieser Zeit für immer abgeschlossen, doch reist er aufgrund der Vorfälle im Fitnessstudio dorthin. Und langsam aber sicher fügen sich einzelne Puzzleteile, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben scheinen, zu einem Großen und Ganzen zusammen, mit dem Edgar wohl nie gerechnet hätte...

Franz Kabelka kann durchaus mit seinem Aufbau der Geschichte um Edgar punkten. Jedes einzelne Kapitel spielt in einer anderen Zeit, was allerdings jeweils am Anfang gekennzeichnet wird, sodass man nicht zu sehr den Überblick verliert. Edgar ist der Hauptcharakter, um den sich alles dreht. Franz Kabelka widmet sich der Gegenwart, in der Edgar versucht, seine Erinnerungen wiederzuerlangen, schwenkt um in Edgars Vergangenheit als Pater Fidelis, wobei man als Leser sehr viel über seine Zeit im Konvikt erfährt.

Durchzogen werden diese Kapitel von protokollierten Tonbandaufnahmen, auf die man sich zu anfangs keinen wirklichen Reim machen kann, die sich aber im Nachhinein als recht wichtig in der Geschichte herausstellen. Auch lernt der Leser die beiden verunfallten Klienten des Fitnessstudios, Otto Bell und Johannes Reichert, zu Lebzeiten näher kennen. Viele Perspektivwechsel machen diese Geschichte richtig interessant und noch das kleinste, vermeintlich unwichtige Detail fügt sich in die Lösung mit ein.

Sehr gelungen fand ich auch, dass es keinen direkten Mord zu geben scheint. Beide Unfälle lassen auf körperliches "Versagen" schließen und somit ermittelt auch keine Polizei in diesen beiden Fällen. Edgar allein steht es zu, dieses Rätsel zu lösen und das schafft er auf seine ganz eigene ruhige Art und Weise. "Jemand anders" ist kein typischer Kriminalroman, sondern ein Vertreter der leiseren Sorte, der durch seinen ansprechenden und auch komplexen Aufbau der Geschichte zu überzeugen vermag.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover, im Hintergrund ganz in schwarz gehalten, zeigt einen dicken weißen Strick, der wohl auf den Krimiaspekt des Buches anspielen soll.

Fazit: "Jemand anders" ist ein Krimi der leisen Töne, der aber durch seinen geschickten Aufbau, gespickt mit Perspektiv- und Zeitenwechseln, zu überzeugen vermag.

Sonntag, 8. Januar 2012

In meinem Briefkasten 01/2012

Die erste Januarwoche ist nun auch schon wieder vorbei und es erreichte mich diese Woche ein Buch, auf das ich mich schon freue, denn ich möchte gerne wissen, wie es mit Dru weitergeht :)

Um euch schon einmal vorzuwarnen: Es wird die nächsten Wochen etwas ruhiger werden, denn es steht eine private Veränderung bei uns an, wir bekommen nämlich am kommenden Freitag hundigen Familienzuwachs und sind schon ganz aufgeregt. Nun heißt es, die Wohnung welpensicher zu machen und vieles zu besorgen, was der Kleine alles so braucht :)
Hier aber nun mein Neuzugang für diese Woche:

Lili St. Crow
Strange Angels. Verraten
(RE)

Kurzbeschreibung:
Dru und ihr bester Freund Graves tauchen in einer geheimen Schule unter, um sich vor ihren Verfolgern in Sicherheit zu bringen. Doch während der junge Werwolf mit offenen Armen empfangen wird, behandelt man Dru wie eine Gefangene. Noch dazu trachtet ihr auch hier jemand nach dem Leben. Als Vampire die Schule angreifen, gerät Dru in höchste Gefahr - und muss sich die schockierende Frage stellen, ob der Verräter ihr näher ist, als sie für möglich hielt...

Samstag, 31. Dezember 2011

Lesemonat Dezember 2011

Zuallererst möchte ich allen meinen Lesern einen (hoffentlich nicht zu glatten) guten Rutsch ins neue Jahr 2012 wünschen und mich für eure Treue bedanken. Ich hoffe, das bleibt auch im nächsten Jahr so, und ich freue mich auf jede Menge neuen Lesestoff im neuen Jahr, natürlich auch nicht den "alten" zu vergessen, denn der SuB ächzt und stöhnt doch recht häufig ;)
Im Dezember sind immerhin 7 gelesene Bücher zusammengekommen, deutlich besser als im Vormonat und von der Qualität her konnte ich auch nicht meckern :)

Gelesene Bücher: 7
Gelesene Seiten: 2.312

Sarah Pinborough: Die Farben der Finsternis
Ian Kopacka: Kleine Fische
Anna Kuschnarowa: Junkgirl
Franz Kabelka: Jemand anders
Jackson Pearce: Blutrote Schwestern
Elke Schwab: Mörderisches Puzzle
Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Rezension: Ian Kopacka - Kleine Fische

Titel: Kleine Fische
Autor: Ian Kopacka
Genre: Belletristik
Verlag: Leykam (03.03.2011)
ISBN: 978-3-7011-7747-9
Broschiert, 244 Seiten
Preis: 14,50 €
Bezugsquelle: Ian Kopacka

Eigentlich sind alle zufrieden. Fisch und seine Freunde sind glücklich, weil sie immer genug Gras zum Rauchen haben. Der Drogendealer ihres Vertrauens ist glücklich, weil sein Geschäft gut läuft. Und seine rechte Hand auf der Straße ist glücklich, weil er von allen respektiert, ja sogar gefürchtet wird. Und dann passiert etwas. Ein Brandanschlag bringt die Drogenquelle zum Versiegen und den Drogendealer dazu, um sein Lebenswerk zu bangen. Fisch wird durch einen defekten Toaster unvermutet zum Privatdetektiv. Wird er dahinterkommen, wer für seine missliche Lage verantwortlich ist?
Zum Autor:
Ian Kopacka wurde 1980 in Graz geboren. Nach einem Jahr als mittelloser Gitarrist einer Rockband in London kehrte er nach Graz zurück und studierte dort Mathematik. Zurzeit rechnet er hauptberuflich und schreibt in seiner Freizeit. "Kleine Fische" ist sein erster Roman.

Rezension:
Stefan, Paul und Wolfgang, genannt Fisch, sind Freunde seit der Schulzeit. Alle drei verbindet die Leidenschaft des Kiffens und das, im wahrsten Sinn des Wortes, in vollen Zügen. Alles läuft seinen gewohnten Gang bis eines Tages die Drogenquelle versiegt: Karl Bess, dem örtlichen Drogendealer, wurde der Lagerraum mitsamt dem kompletten Cannabisvorrat angezündet und ausgerechnet Fisch soll herausfinden, wer Bess damit ans Leder will.

Ferner lernt der Leser die beiden zwölfjährigen Willi und Thomas kennen, die beide aus zerrütteten Familien stammen und eine Freundschaft, die mehr auf Hassliebe beruht, verbindet. Beide haben nur Unsinn im Kopf und sind auf dem besten Weg, in eine Verbrecherkarriere abzudriften. Dann ist da noch Erich, unzufriedener Koch in einem Gasthaus, der sich für seinen homosexuellen Vater schämt und heimlich eine bestimmte Art von Pflanzen in seinem Gewächshaus züchtet...

Wie all diese Personen zusammenspielen und was sie miteinander verbindet sollte man gelesen haben. Anfangs war ich etwas irritiert, da Ian Kopacka in kurzen, knackigen Kapiteln sehr viele Zeitsprünge miteinbaut, besser gesagt, jedes Kapitel spielt an einem anderen Tag, in einem Zeitraum vom 4. bis 7. Juli. Das jeweilige Datum wird glücklicherweise am Kapitelanfang abgedruckt, sonst hätte ich mich sicherlich heillos verheddert.

Doch gerade diese Zeitsprünge macht "Kleine Fische" zu etwas Besonderem: Der Leser wird häppchenweise mit der Geschichte gefüttert, es werden einzelne Puzzlesteine zu einer am Ende stimmigen Gesamtgeschichte zusammengefügt und der Zufall spielt hierbei eine sehr große Rolle. Geht man anfangs noch davon aus, dass jemand Drogendealer Karl Bess ausbooten will, indem er sein Lager anzündet, darf man sich am Ende davon belehren lassen, dass es ganz anders war.

Sehr gut gelungen sind auch die Perspektivwechsel, die die Geschichte noch einen Tick interessanter machen. Abwechselnd wird aus den Blickwinkeln sämtlicher Charaktere berichtet und man lernt ihre Sichtweise auf die Dinge kennen. Auch kommen (schwarzer) Humor und Skurrilität nicht zu kurz, vieles wirkt überzeichnet, doch passt das glänzend zur Geschichte.

"Kleine Fische" konnte mich sehr gut unterhalten und ich bin auf weitere Werke von Ian Kopacka gespannt. Sein Debütroman verspricht einiges für die Zukunft und ich kann ihn besten Gewissens empfehlen. Wer allerdings meint, es hier mit einem Kriminalroman zu tun zu haben, der wird enttäuscht. Vielmehr ist "Kleine Fische" eine Geschichte, in der Drogen die Hauptrolle spielen, aber auch Freundschaft, Gewalt und vor allem der Zufall nicht zu kurz kommen.

Zur Gestaltung des Buchs: Das Cover zeigt einen rot-weiß karierten, ausgeblichenen Hintergrund, im Vordergrund steht ein alter Toaster, aus dem eine Scheibe Toastbrot, in die eine Cannabispflanze eingebrannt ist, herauslugt.

Fazit: "Kleine Fische" ist ein gelungenes Romandebüt, das sich mit den Themen Drogen, Freundschaft, aber auch Gewalt und Brutalität auseinandersetzt - aber nie ohne ein Augenzwinkern. Eine wirklich erfrischende Antihelden-Geschichte!